Rasenarten - Grasarten erklärt: Eigenschaften, Keimdauer & Einsatzbereiche
Jede Rasenmischung besteht aus unterschiedlichen Rasenarten und -sorten, von denen jede spezielle Eigenschaften aufweist. Neben der Optik unterscheiden sich diese durch Faktoren wie Nährstoff- und Wasserbedarf, Tiefschnittverträglichkeit, Ausläuferbildung, Keimdauer und Toleranz gegenüber Schatten oder Hitze. Je nach Standort und Nutzungsart werden ganz unterschiedliche Ansprüche an die Rasenmischung gestellt — für die Neuanlage eines Golf Grüns müssen völlig andere Voraussetzungen erfüllt werden als bei der Regeneration eines Fußballplatzes oder der Nachsaat im Heimgarten.
Kurz zusammengefasst: Die fünf wichtigsten Rasenarten sind Festuca rubra (Rot-Schwingel), Lolium perenne (Deutsches Weidelgras), Poa pratensis (Wiesenrispe), Agrostis (Straußgras) und Poa supina (Lägerrispe). Jede hat spezifische Stärken — die richtige Mischung dieser Arten entscheidet über Belastbarkeit, Schattentoleranz, Tiefschnittverträglichkeit und Pflegeaufwand der Rasenfläche.
Schnellvergleich: Die 5 wichtigsten Rasenarten auf einen Blick
| Rasenart | Keimdauer | Belastbarkeit | Schatten | Tiefschnitt | Einsatz |
| Festuca rubra | 10–18 Tage | Mittel | ✔ Ja | ✔ Ja | Schatten, Zierrasen, Golf |
| Lolium perenne | 7–15 Tage | Sehr hoch | — Nein | Bedingt | Sport, Nachsaat, Gebrauch |
| Poa pratensis | ca. 14 Tage | Hoch | Bedingt | Bedingt | Sport, Neuanlage, Gebrauch |
| Agrostis | 12–20 Tage | Hoch | — Nein | ✔ Sehr gut | Golf Grüns, Zierrasen |
| Poa supina | 14–20 Tage | Sehr hoch | ✔ Sehr gut | ✔ Ja | Schattenrasen, Voralpen |
Festuca rubra — Rot-Schwingel
Die Rasenart Festuca rubra, auch bekannt als Rot-Schwingel, gehört zur Familie der Süßgräser (Poaceae) und zeichnet sich vor allem durch ihre Genügsamkeit hinsichtlich Nährstoff- und Wasserbedarf sowie ihre Winterhärte aus. Daher ist sie besonders in Rasenmischungen für schwierigere Bedingungen wie Trockenheit oder Schattenlagen häufig enthalten — so z.B. in unserem Schattenrasen.
Der Rot-Schwingel bildet eine feine, dichte Rasennarbe und findet in vielen Bereichen Anwendung: Gebrauchsrasen, Zierrasen, Landschaftsrasen sowie Sport- und Golfanlagen. Die Festuca rubra unterteilt sich in drei Unterarten, die sich durch ihre Ausläuferbildung unterscheiden:
- Festuca rubra rubra (Ausläufer-Rotschwingel) — bildet lange Ausläufer, etabliert sich am schnellsten. Mittelfein im Blatt.
- Festuca rubra commutata (Horst-Rotschwingel) — bildet keine Ausläufer, stattdessen Horste an der Mutterpflanze. Sehr feines Blatt.
- Festuca rubra trichophylla (Kurzausläufer-Rotschwingel) — kurze Ausläufer, besonders anspruchslos, kurzschnittverträglicher als andere Festuca-Sorten. Sehr feines Blatt.
Eigenschaften von Festuca rubra:
- Geringer Wasser- und Nährstoffbedarf
- Sehr gute Toleranz gegenüber Winter- und Kältestress
- Geeignet für Schattenlagen
- Tiefschnittverträglich
- Bildet Ausläufer — unterstützt die Bildung einer dichten Rasennarbe
Keimdauer: ca. 10–18 Tage
Lolium perenne — Deutsches Weidelgras
Beim Lolium perenne, auch bekannt als Deutsches Weidelgras oder Englisches Raygras, handelt es sich um eine mehrjährige Rasenart mit schmalen bis mittelbreiten Gräsern aus der Familie der Süßgräser (Poaceae). Es zeichnet sich durch schnelle Regenerationsfähigkeit und hohe Trittfestigkeit aus und eignet sich dadurch besonders gut für Rasenflächen mit hohem Belastungsanspruch. Aufgrund des raschen Aufwuchses ist diese Rasenart vor allem in Mischungen für die Nachsaat oder Regeneration enthalten — damit entstandene Kahl- und Fehlstellen zügig geschlossen werden können.
Für Neuanlagen hingegen sollte ein ausgewogenes Verhältnis anstatt einer reinen Lolium-Mischung verwendet werden: Das Deutsche Weidelgras gehört zur Gruppe der horstbildenden Gräser — es bildet keine unterirdischen Wurzelausläufer, wodurch ein hoher Dichtegrad allein nicht möglich ist. Am besten entwickelt sich Lolium perenne auf stickstoff- und phosphatreichen Böden in gemäßigten klimatischen Gefilden. Die Rasengräser reagieren empfindlich auf extreme Kälte unter -18 °C.
Eigenschaften von Lolium perenne:
- Schnelle Regenerationsfähigkeit
- Hohe Belast- und Strapazierfähigkeit
- Geringe Keimdauer — schnellste keimende Rasenart
- Sorgt für schnelles Schließen der Grasnarbe
Keimdauer: ca. 7–15 Tage — die schnellst keimende Rasenart überhaupt.
Poa pratensis — Wiesenrispe
Die Poa pratensis, oder Wiesenrispe, wird häufig als Bestandteil von Rasenmischungen für Sportplätze, Golfanlagen und Gebrauchsrasen verwendet, um der Rasenfläche verbesserte Hitze- und Trockenheitsverträglichkeit, Tritt- und Scherfestigkeit zu verleihen. Es handelt sich um eine mehrjährige Rasenart, die ebenfalls der Familie der Süßgräser (Poaceae) angehört. Der Halm ist rund, meist aufrecht mit einer Breite von ca. 5 mm und kann eine Wuchshöhe von 20–60 cm erreichen.
Die Poa pratensis bildet unterirdische Wurzelausläufer (Rhizome), wodurch sich die Rasengräser waagrecht ausbreiten und eine dichte Rasennarbe entstehen kann. Die Ausläuferbildung wird durch regelmäßigen Rasenschnitt (mindestens 1x, besser 2–3x pro Woche) gefördert. Da die Wiesenrispe eine längere Keimdauer als andere Rasenarten hat, wird sie in der Regel mit schneller keimenden Arten wie Lolium perenne gemischt. Der Bedarf an Kalium, Stickstoff und Phosphat ist gegenüber anderen Rasenarten relativ hoch.
Eigenschaften von Poa pratensis:
- Sehr gute Hitze- und Trockenheitsverträglichkeit
- Bildet Rhizome — erhöht Tritt- und Scherfestigkeit
- Sorgt für hohen Dichtegrad der Rasennarbe
- Relativ hoher Nährstoffbedarf
Keimdauer: ca. 14 Tage unter optimalen Bedingungen.
Agrostis — Straußgras
Agrostis — auch als Straußgras bekannt — ist eine krautige, ausdauernde Pflanze aus der Familie der Süßgräser. Charakteristisch sind schmale Blätter, sehr dichtes Wachstum sowie hervorragende Trittfestigkeit und Tiefschnittverträglichkeit. Dank dieser Eigenschaften werden Straußgräser besonders auf Golf Grüns eingesetzt — die Agrostis kann einen Schnitt auf bis zu 4 mm verkraften. Entsprechend hoch sind jedoch auch der Bedarf an Nährstoffen und Feuchtigkeit.
Innerhalb der Agrostis unterscheidet man zwei für die Rasensaat relevante Unterarten:
- Agrostis capillaris (Rotes Straußgras) — entwickelt sowohl unter- als auch oberirdische Ausläufer. Häufig in Mischungen für Zier- oder Golfrasen in Kombination mit Festuca rubra. Bevorzugt nass-kalte Standorte.
- Agrostis stolonifera (Flecht-Straußgras) — bildet lange oberirdische Ausläufer, hohe Keim- und Kapazitätsdichte. Überwiegend in Golfrasenmischungen. Bevorzugt gemäßigte Klimagefilden.
Eigenschaften von Agrostis:
- Sehr ausdauernd mit schmalen Blättern
- Sehr dichtes Wachstum
- Hervorragende Trittfestigkeit und Tiefschnittverträglichkeit bis 4 mm
- Erste Wahl für die Anlage von Golf Grüns
Keimdauer: ca. 12–20 Tage. Wurzeln wachsen bis zu 50 cm tief in den Boden.
Poa supina — Lägerrispe
Ein weiterer Vertreter der Familie der Süßgräser ist die Poa supina, auch als Lägerrispe bekannt. Im Vergleich zu Lolium perenne, Festuca rubra und Poa pratensis ist sie seltener und mit geringerem Anteil in gängigen Rasenmischungen vertreten — meist wird sie beigemischt, um die Qualität der Rasenfläche gezielt zu verbessern.
Die Lägerrispe zeichnet sich durch hohe Belastbarkeit, Trittfestigkeit, Konkurrenzfähigkeit und sehr gute Schattenverträglichkeit aus — daher findet sie häufig Verwendung als Schattenrasen. Die Poa supina ist eine anspruchsvolle Pflanze mit hohem Bedarf an Wasser und Nährstoffen — eine Schnitthöhe von 5 cm sollte nicht unterschritten werden. Für trockene und lehmige Böden ist die Lägerrispe eher ungeeignet, am besten entwickelt sie sich auf nährstoffreichen, lockeren Böden in gemäßigten Klimagefilden. Die Pflanze bildet sehr viele oberirdische Ausläufer (Stolonen), wodurch eine dicht bewachsende, belastbare Fläche entsteht.
Eigenschaften von Poa supina:
- Beste Schattenverträglichkeit aller Rasenarten
- Sehr belastbar, trittfest und konkurrenzstark
- Hervorragend geeignet für den Einsatz im Voralpenraum
- Bildet oberirdische Stolonen für dichte Narbenbildung
Keimdauer: ca. 14–20 Tage. Blätter sind mittelbreit, hellgrün bis saftig grün je nach Standort.
Häufige Fragen zu Rasenarten
Welche Rasenart keimt am schnellsten?
Lolium perenne (Deutsches Weidelgras) ist mit einer Keimdauer von 7–15 Tagen die schnellst keimende Rasenart. Daher ist es in Nachsaat- und Regenerationsmischungen besonders hoch dosiert — für ein schnelles Schließen von Kahlstellen auf Sportplätzen und Golfanlagen.
Welche Rasenart ist am schattenverträglichsten?
Poa supina (Lägerrispe) ist die schattenverträglichste Rasenart überhaupt — gefolgt von Festuca rubra (Rot-Schwingel). Beide sind Hauptbestandteile hochwertiger Schattenrasen-Mischungen. Poa supina ist besonders für extreme Schattenlagen und das Voralpenland geeignet.
Was ist der Unterschied zwischen Ausläufern und Horstbildung?
Rasenarten mit Ausläufern (z.B. Poa pratensis mit Rhizomen, Agrostis stolonifera mit Stolonen) wachsen horizontal und können so Lücken in der Grasnarbe selbstständig schließen. Horstbildende Arten (z.B. Lolium perenne) bilden nur aufrechte Triebe an der Mutterpflanze — keine Selbstregeneration in die Breite. Für Neuanlagen sind daher Mischungen mit hohem Ausläuferanteil bevorzugt.
Warum wird Agrostis nur auf Golfgrüns und nicht im Hausgarten eingesetzt?
Agrostis verträgt zwar sehr tiefe Schnitthöhen bis 4 mm und bildet eine sehr dichte Narbe — hat aber einen extrem hohen Bedarf an Nährstoffen, Wasser und Pflegeaufwand. Der Pflegeaufwand für eine Agrostis-Fläche ist mit professionellem Greenkeeper-Equipment vergleichbar. Für den Hausgarten sind Festuca rubra und Poa pratensis-Mischungen deutlich pflegeleichter.
Was ist Poa annua und warum ist sie unerwünscht?
Poa annua (Jährige Rispe) ist ein einjähriges Fremdgras — nicht zu verwechseln mit Poa pratensis oder Poa supina. Sie keimt sehr schnell, ist aber nicht tiefschnittverträglich und stirbt nach der Samenreife ab, was Fehlstellen hinterlässt. In günstigem Billigsaatgut oft als Füllmaterial enthalten. Hochwertiger RSM-Rasensamen enthält keine Poa annua.
Welche Rasenart ist am pflegeleichtesten?
Festuca rubra (Rot-Schwingel) ist mit ihrem geringen Wasser- und Nährstoffbedarf die pflegeleichteste Rasenart. Sie dominiert daher Landschaftsrasen- und Extensivmischungen. Für den normalen Hausgarten sind RSM 2.3 Gebrauchsrasen-Mischungen mit ausgewogenem Festuca- und Lolium-Anteil ideal.
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