Rasen vertikutieren — Anleitung, Zeitpunkt & Rasenfilz richtig entfernen
Das Vertikutieren ist eine der wichtigsten Pflegemaßnahmen für die Rasenfläche — und wird trotzdem häufig vernachlässigt. Das Wort kommt aus dem Englischen: "vertical" (senkrecht) und "cut" (schneiden). Beim Vertikutieren wird der obere Teil der Grasnarbe leicht angeritzt, um Rasenfilz, liegengebliebenes Schnittgut und Moose zu entfernen. Auf dieser Seite: was Rasenfilz genau ist, wann vertikutiert werden sollte — und wie die Maßnahme Schritt für Schritt richtig durchgeführt wird.
Kurz zusammengefasst: Rasenfilz entsteht, wenn sich Schnittgut, abgestorbene Pflanzenteile und Moose in der Grasnarbe anreichern und von den Bodenorganismen nicht mehr schnell genug abgebaut werden können. Sobald die Filzschicht 1–2 cm übersteigt, sollte vertikutiert werden — idealerweise im Frühjahr (März–Mai) oder frühen Herbst (August/September).
Was ist Rasenfilz — und warum ist er schädlich?
Selbst gründliches Aufsammeln und Abkehren des Schnittguts nach dem Mähen kann nicht verhindern, dass sich Reste von Schnittgut und abgestorbenen Pflanzenteilen auf dem Rasen anreichern. Das Resultat dieser Akkumulation über einen längeren Zeitraum ist der Rasenfilz — eine dichte Schicht aus organischem Material zwischen Grasnarbe und Bodenoberfläche.
Dieser Filz hemmt den Luftaustausch der Rasengräser und erschwert die Nährstoffversorgung durch Rasendünger — in schweren Fällen verhindert er sie sogar vollständig. Die Wasseraufnahmefähigkeit der Rasenfläche nimmt ab: Das Wasser bleibt auf dem Filz liegen und kann nicht mehr zu den Wurzeln vordringen. Die Folgen sind gravierend:
- Wurzeln verflachen — Trockenresistenz nimmt ab
- Moose und Unkräuter breiten sich in geschwächten Bereichen aus
- Toleranz gegenüber Rasenkrankheiten wie Fusarium sinkt
- Nährstoffaufnahme und Gasaustausch werden dauerhaft gestört
Mit Rasenfilz durchsetzte Rasenfläche
Wann sollte vertikutiert werden?
Im Heim- und Kleingartenbereich sollte maximal einmal im Jahr vertikutiert werden. Auf Sportrasenflächen ist die Häufigkeit abhängig von der Nutzungsintensität und Filzbildung. Die besten Jahreszeiten sind Frühjahr und früher Herbst.
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Frühjahr (März–Mai) — der beste Zeitpunkt
Das Frühjahr, wenn die Rasenfläche nach dem Winter in die Wachstumsphase eintritt, ist der ideale Zeitpunkt — die Rasengräser können sich nach der Maßnahme schneller erholen. Voraussetzung: Die Rasenfläche sollte bereits 1–2 Mal gemäht worden sein.
Früher Herbst (August/September) — zweiter Termin
Im August/September können zusätzlich noch flach wachsende Unkräuter wie Ehrenpreis (Veronica) entfernt werden. Die Maßnahme sollte vor Oktober abgeschlossen sein, damit die Rasenfläche noch genug Zeit zur Erholung hat und sich optimal auf den Winterstress vorbereiten kann.
Unkrautvernichter vor dem Vertikutieren?
Sollten sich auf der Rasenfläche viele Unkräuter etabliert haben, empfiehlt es sich, die Fläche vor der Renovationsmaßnahme mit einem Unkrautvernichter zu behandeln. So lassen sich die abgestorbenen Unkräuter zusammen mit dem Rasenfilz in einem Arbeitsgang entfernen.
Alternativ bietet sich ein Rasendünger mit Unkrautvernichter an — dieser versorgt die Rasengräser gleichzeitig mit Stickstoff für die Regeneration und bekämpft selektiv die Unkräuter. Die enthaltenen Wirkstoffe (meist Dicamba und 2,4-D) greifen nur die Unkräuter an, nicht die Rasengräser. Nach der Ausbringung dauert es je nach Befall 1–3 Wochen bis die Unkräuter abgestorben und bräunlich-schwarz verfärbt sind — erst dann kann mit dem Vertikutieren begonnen werden.
Schritt-für-Schritt Anleitung: Rasen vertikutieren
- Frühjahrsdünger ausbringen Nach dem Winter sind die Rasengräser mit Nährstoffen meist unterversorgt. Mindestens 10 Tage vor dem Vertikutieren einen stickstoffbetonten Frühjahrsdünger ausbringen, damit sich die Rasengräser vor der Belastung durch das Vertikutieren regenerieren können.
- Rasen kurz mähen Die Rasenfläche sollte 1–2 Mal gemäht worden sein. Der letzte Mähvorgang idealerweise 1–2 Tage vor der Maßnahme — damit die Gräser noch relativ kurz sind und die Messer optimal arbeiten können.
- Oberfläche abtrocknen lassen Idealerweise sind Rasenfläche und Boden an der Oberfläche abgetrocknet. Nasse Flächen verstopfen die Messer und erhöhen den Stress für die Grasnarbe.
- Messer einstellen Für ein bestmögliches Ergebnis müssen die Messer des Vertikutierers scharf sein. Die Messer sollten die Oberfläche der Grasnarbe nur berühren und nicht tief eindringen — nur der Rasenfilz und oberflächlich sitzende Moose werden entfernt, keine tiefe Bodenbearbeitung. Die Wurzeln der Rasengräser sollten nicht beschädigt werden.
- Vertikutieren Die Fläche gleichmäßig in einer Richtung bearbeiten. Bei starkem Filzbefall kann ein zweiter Durchgang im 90°-Winkel sinnvoll sein.
- Material gründlich entfernen Das anfallende Material (Filz, Moose, Schnittgut) vollständig von der Rasenfläche entfernen — am besten mit einem Laubrechen oder Vertikutierrechen.
Wichtig: Durch zu tiefes Vertikutieren verschleißen die Messer sehr schnell und die Rasenwurzeln werden angegriffen. Dies sollte auf jeden Fall vermieden werden!
Rasenfilz wurde aus der Rasenfläche entfernt
Nacharbeiten nach dem Vertikutieren
Nach dem Vertikutieren werden sich Fehl- und Kahlstellen zeigen. Kleinere Bereiche kann die Grasnarbe selbstständig wieder schließen. Größere Stellen (ab Handflächengröße) sollten direkt nach dem Vertikutieren mit einer geeigneten Nachsaat geschlossen werden — die aufgerissene Bodenoberfläche bietet optimalen Bodenkontakt für das Saatgut.
Wenn die Rasenfläche nach dem Vertikutieren komplett nachgesät werden soll, muss die Maßnahme ins späte Frühjahr verlegt werden — damit die jungen Keimlinge nicht durch eventuell noch auftretenden Bodenfrost geschädigt werden.
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Starterdünger nach der Nachsaat
Phosphorbetonte Starterdünger fördern ein rasches, kräftiges und tiefreichendes Wurzelwachstum der jungen Keimlinge nach der Nachsaat.
Nach der Pflegemaßnahme ist der Rasen optisch wieder schön und gesund
Mehr zum Thema Aerifizieren — die ideale Ergänzungsmaßnahme zum Vertikutieren — im Artikel Rasen aerifizieren — Anleitung, Zeitpunkt & Geräte.
Häufige Fragen zum Vertikutieren
Was ist der Unterschied zwischen Vertikutieren und Aerifizieren?
Beim Vertikutieren wird die Grasnarbe oberflächlich angeritzt und Rasenfilz entfernt. Beim Aerifizieren werden mit Hohlspoons Löcher in den Boden gestochen, um tiefer liegende Bodenverdichtungen zu lösen und den Gasaustausch zu verbessern. Beide Maßnahmen ergänzen sich und sollten Teil eines Jahrespflegeplans sein.
Wie oft sollte im Jahr vertikutiert werden?
Im Heimgarten maximal einmal pro Jahr — zu häufiges Vertikutieren schwächt die Grasnarbe. Auf Sportrasenflächen ist die Häufigkeit abhängig von Nutzungsintensität und Filzbildung. Als Faustregel: vertikutieren wenn die Filzschicht 1–2 cm übersteigt.
Kann man nach dem Vertikutieren sofort düngen?
Ja — nach dem Vertikutieren ist die Nährstoffaufnahme durch die geöffnete Grasnarbe besonders effektiv. Ein stickstoffbetonter Frühjahrsdünger fördert die schnelle Regeneration. Starterdünger unterstützen das Wurzelwachstum bei gleichzeitiger Nachsaat.
Darf man bei Trockenheit vertikutieren?
Nein — bei Trockenheit und Hitze ist die Rasenfläche bereits gestresst. Vertikutieren verstärkt diesen Stress erheblich. Die Oberfläche sollte abgetrocknet, aber der Boden erdfeucht sein. Bei anhaltender Trockenheit die Maßnahme auf einen kühleren, feuchteren Zeitraum verschieben.
Was tun wenn nach dem Vertikutieren viele Kahlstellen entstehen?
Das ist normal und kein Grund zur Panik — die Grasnarbe sieht direkt nach dem Vertikutieren oft schlimmer aus als davor. Kleinere Lücken schließen sich selbstständig. Größere Stellen (ab Handflächengröße) direkt nachsäen, gut wässern und 14 Tage feucht halten.
Welches Gerät eignet sich für kleinere Rasenflächen?
Für Flächen bis ca. 100 m² reicht ein handgeführter Vertikutierrechen — ähnlich einem normalen Rechen, aber mit speziell geformten Zinken. Für größere Flächen empfehlen sich elektrische oder benzinbetriebene Vertikutierer. Für Sportanlagen stehen Anbaugeräte für Traktoren in verschiedenen Arbeitsbreiten zur Verfügung.
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